Bienenfrühling auf der Fensterbank – Nektar für die Bienen 1


Bienenfrühling auf der Fensterbank
– Nektar für die Bienen 1 –

Es war ein schöner Spätwintertag. Die Sonne strahlte so warm vom tiefblauen Himmel, dass man meinen konnte, es sei Frühsommer. Bis in mein Zimmer schickte sie ihre Strahlen und ich tat sogleich das, was ich im Frühling und Sommer immer tue: Ich riss die Fenster weit auf und begrüßte das Licht. Oh, wie wohltuend es sich auf meiner müden Winterhaut anfühlte! Was für ein Genuss!
Am liebsten hätte ich meinen Platz am Fenster gar nicht mehr verlassen, doch die Arbeit rief, ich setzte mich wieder an meinen Schreibtisch und suchte nach Worten, die sich heute nicht so gerne aufschreiben lassen wollten. Ich glaube, sie wollten wie ich lieber draußen sein und diesen unerwartet warmen und hellen Vorfrühling feiern.
Während ich noch darüber nachdachte, ob ich mir freigeben und einen Tag schwänzen sollte, summte und brummte es plötzlich vom Fenster her. Es klang, als säße ich auf einmal in der Nähe eines Bienenstocks.
Bienen? Im Februar auf meinem Fensterbrett? Das konnte nur ein Traum sein.
War es nicht. Auf den Blüten der Traubenhyazinthe, die ich aus Zwiebeln gezogen und in einem Töpfchen aufs Fensterbrett gestellt hatte, saßen Bienen. Zwei, drei, nein vier und fünf und es wurden immer mehr. Wildbienen. Auch zwei Hummeln schauten vorbei. Den ganzen Vormittag huschten sie verstohlen ins Zimmer und taten sich am Nektar der Blüten, die zu dieser Zeit nur im Zimmer blühen konnten, gütlich.
Wie sehr freute ich mich! Die Sonne hatte sie aufgeweckt und nun waren sie hungrig. Doch wo sollten sie in unserer kahlen Spätwinterwelt ihr Futter finden? Am Waldrand und hinten bei der großen Wiese standen Haselbüsche mit langen, gelben Haselblüten. Dort hatte ich schon gestern Bienen gesehen. Blumen aber gab es hier noch keine. Auf der Wiese in unserem Garten blühten nur ein paar Gänseblümchen und erste zaghafte Schneeglöckchen und Krokusse. Viel mehr Nektarspender fand ich nicht in den Gärten ringsum, auch nicht auf den Wiesen und schon gar nicht im Wald. Wie sollte das genügen, um all die hungrigen Bienen-, Hummel- und Insektenmägen zu füllen?
Schnell stellte ich alle Blumen, die in unseren Haus in Töpfen und Vasen die Zimmer schmückten, nach draußen auf die Fensterbänke: Tulpen, Hyazinthen, Narzissen, Hornveilchen und Primeln und es dauerte nicht lange, bis die alle hungrige Nektarnascher in ihren Blüten zu Gast hatten.
Eine ganze Woche hielt das schöne Sonnenwetter an und wir hatten viele Bienen und Hummeln und auch erste Schmetterlinge zu Gast. Wir freuten uns sehr darüber und und ich glaube, unsere summenden Besucher freuten sich auch. Dann verabschiedete sich die Sonne wieder, es wurde noch einmal so richtig winternass, stürmisch und kalt und die Bienen machten keine Ausflüge mehr.
Fürs nächstes Jahr, nehme ich mir vor, werde ich für mehr Bienennahrung sorgen. Ich werde Blümchen, die im späten Winter und im frühen Frühjahr blühen, im Garten pflanzen und/oder in Töpfen für alle Fensterbänke und Gartenmauern vorziehen und/oder als Zwiebeln in Herbst in die Erde (oder in Töpfe und Balkonblumenkästen) stecken. Das kannst du auch tun, damit die Bienen in dieser Jahreszeit etwas zu essen finden. Sie werden sich genauso darüber freuen wie du dich freust, wenn du deine summenden Gäste siehst. Machst du mit?

Übrigens:
Diese Blumen und Gehölze blühen im frühen Frühling, manche sogar schon im späten Winter:
Blumen: Winterling, Schneeheide, Huflattich, Schneeglöckchen, Märzenbecher, Blausternchen, Krokus, Traubenhyazinthe, Sternhyazinthe, Gefleckes Lungenkraut, Kegelblume, Wilde Tulpe, Frühlings-Platterbse, Buschwindröschen, Primeln
Weide, Kornelkirsche, Haselstrauch, später Schlehe und Schwarzdorn

© Elke Bräunling

Die ersten Bienen in den Blüten am Fenster

 

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Wie der alte Kirschbaum doch weiter leben kann

 

Und so hat sie sich angefühlt, die Bienenmusik neulich am Fenster 

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