Blumen für die Bienen

Bienengeschichte – Warum Omas Wiese eine bunte Blütenwiese ist

Als die Geschwister Tobias und Jasmin in diesen Ferien Oma besuchten, staunten sie nicht schlecht. Die kleine Welt um Omas Häuschen war nämlich bunt geworden. Blumenbunt. Überall blühte es. Auf dem Rasen, in den Blumenbeeten, vor dem Zaun am Straßenrand, auf der gegenüberliegenden Straßenseite, an den Rändern der angrenzenden Felder und Wiesen. Viele kleine bunte Blümchen. Überall rings um Omas Haus. Toll sah das aus!
„Wie schön das ist, Oma! Dein Garten leuchtet! Blumen sind toll. Und diese hier mit ihren bunten Farben ganz besonders.“
„Langweilig!“ Ihr Bruder Tobias verstand nicht, wie man sich für diese kleinen Blumen interessierten konnte. „Viel zu klein sind sie mit ihren winzigen Blütenköpfen.“
„Auch die Bienen sind klein und trotzdem schaffen sie es, den Nektar aus den Blüten zu ernten“, erklärte Jasmin ihrem Bruder. „Du weißt doch, dass es ohne die Bienen keinen Honig auf deinem Brot gäbe, oder?“
“Hoha! In diesen kleinen Blumenköpfen soll Honig wachsen? Wer hat dir denn diesen Bären aufgebunden?“ Tobias grinste.
„Blödmann! Honig wächst nicht in Blüten. Es ist der Nektar. Den sammeln die Bienen in den Blüten und davon brauchen sie mächtig viel für einen Löffel Honig. Rate mal!“
„Keine Ahnung! Außerdem mag ich Schokoladennussaufstrich lieber als klebrigen Honig“, murrte Tobias, aber er beugte sich nun doch über die kleinen, bunten Blüten, die von Bienen umsummt wurden.
Oma schaltete sich ein. „Ich habe gelesen, dass man für ein Kilo Honig über eine Million Blüten benötigt. Meine kleine Blumenwiese ist also nur ein bescheidener Anfang, um den Bienen Nahrung zu bieten. Aber es geht ja nicht nur um den Honig. Bienen und Hummeln leisten für die Natur noch eine besonders wichtige Aufgabe. Ohne sie nämlich gäbe es keine Kirschen, Beeren, Äpfel oder Birnen und auch viele Gemüsesorten könntest du nicht mehr verzehren.“
„Wieso?“ Das wollte Tobias nun doch genauer wissen. „Was haben Äpfel oder Kirschen mit den Bienen tun? Die wachsen doch einfach am Baum!“ Er deutete auf den Baum im Nachbargarten, auf dem Kirschen hellrot zu ihnen herüber leuchteten.
Oma seufzte. „Ihr Stadtkinder! Was wisst ihr über unsere Natur? Nicht viel, wie mir dünkt.“
„Oh doch!“, warf Jasmin ein. „Ich weiß es. Die Bienen müssen die Blüten bestäuben, damit sie zu Früchten heranwachsen.“
„Und wie soll das gehen?“, erkundigte sich Tobias.
„Es ist kompliziert und auch wieder nicht, Mr. Nichtwissend!“, neckte Jasmin ihren Bruder. „Also pass auf: In einer Blüte saugt die Biene den Nektar, den sie für den Honig braucht, ab. Dabei krabbelt sie tief in die Blüte. Kennst du doch, oder?“
Tobias nickte und Oma blickte stolz auf Jasmin. Gebannt hörten die beiden weiter zu.
„Während die Biene den Nektar sammelt, bleibt Blütenstaub an ihrem Körper haften, den sie dann zur nächsten Blüte trägt.“
„Oh, dann sind die Bienen aber ganz schöne Schlamper! Mama ist immer sauer, wenn wir uns mit Staub bekleckern“, stellte Tobias fest. „Wie werden sie wieder sauber?“
„Gar nicht“, sagte Jasmin. „In der nächsten Blüte verlieren sie ein bisschen von dem Staub, und der fällt auf den Blütenstempel, der als dicker Knubbel mitten in der Blüte sitzt. Die Biene merkt das aber nicht. Sie ist so hungrig, dass sie rasch noch etwas Nektar nascht und weiter zur nächsten Blüte fliegt. Dabei bekleckert sie sich wieder mit neuem Blütenstaub und den trägt sie weiter von Blüte zu Blüte zu Blüte. Und weißt du, wie man diesen Staub auch nennt? Pollen.“
„Boah, du Streberin!“
„Unsere Jasmin ist eine fleißige Biene!“, sagte Oma.
Jasmin spürte, wie sich ihre Backen röteten. Sie wusste nicht, ob sie das mit der fleißigen Biene nun gut finden oder ob sie beleidigt sein sollte. ‚Streberin‘ war kein nettes Wort.
„Ha!“, schniefte sie. „Jetzt bist du aber an der Reihe, Lieblingsbruder. Verrate uns, was mit dem Pollen, den der Biene verloren hat, geschieht!“
“Das ist ein klarer Fall von Bestäubung!“, rief Tobias, dem langsam schwante, was es mit der Sache auf sich hatte. „Es bilden sich Früchte oder Samen. Ohne die gibt es keine neuen Pflanzen und Früchte.
„Und was wird passieren, wenn die Bienen zu wenig Blüten finden und deshalb verhungern?“
„Dann … dann haben wir keinen Honig mehr. Und es würde auch keine Blumen und keine Früchte mehr geben.“
Tobias schwieg. Das, was ihm gerade durch den Kopf schoss, machte ihm Angst. „Wir müssen das verhindern! Wir müssen den Bienen und Hummeln und Schmetterlingen und Käfern und allen anderen Insekten helfen. Sie sollen nicht sterben!“, sagte er und erntete einen dicken Kuss seiner Schwester.
„Igitt!“, rief er, aber in Wahrheit war er stolz auf sie, hatte sie ihm doch die Augen geöffnet.

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl

Blüten für die Bienen, Bildquelle © kie-ker/pixabay

 

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