Ostereier für Tino?

Auch Hunde lieben Ostereier

Einmal wollte ein Kind Ostereier verstecken. Eine Überraschung für die Eltern sollte es sein.  Es kaufte drei Tüten mit glitzernden roten, gelben und lilafarbenen Schokoladeneiern und drei Schokohasen, einen für Mama, einen für Papa und einen für Hund Tino.
„Dein Schokohase ist nur zum Ansehen. Essen darfst du ihn nicht“, sagte es zu Tino, der den Schokoladenduft gut leiden mochte und aufgeregt schnupperte. „Schokolade macht dick und für Hunde ist sie giftig.“
Hund Tino bellte ein paar laute, hohe Hundebeller. Er verstand diese Mahnung ebenso wenig wie vieles andere, was die Menschen so sagten. Und er lauerte weiter darauf, eines dieser bunten Glitzerdinger – oder am besten gleich alle – naschen zu können.
Das tat er auch am Ostermorgen. Vom Fenster aus. Er durfte das Kind – und die bunten duftenden Glitzerdinger – nämlich nicht in den Garten begleiten.
„Du bist ein Hund und kein Osterhase“, hatte das Kind gesagt und ihn im Zimmer eingesperrt.
Gemeinheit. Tino mochte es nicht leiden, eingesperrt zu sein und nicht in den Garten gehen zu dürfen. Nur am Fenster konnte er nun stehen und zusehen, wie sein Kind diese köstlich duftenden Glitzerüberraschungsdinger überall im Garten verteilte. Aber er passte gut auf.
Die Schokohasen stellte das Kind gut versteckt hinter den Narzissenbüscheln auf. Ein gutes Versteck. Tino merkte es sich genau. Und mit den roten, gelben und lilafarbenen Glitzereiern malte das Kind ein Bild mitten auf die Wiese. Ein Herz war es. Ein glitzerndes Osterherz aus süß lockenden rot-gelb-lilafarbenen Ostereiern.
Schön sah das aus, fand das Kind.
Aufregend sah das aus, fand Hund Tino. Und er hechelte. Dann jaulte er. Laut.
Raus. Er wollte raus nun. Es war auch Zeit, Gassi zu gehen. Höchste Zeit.
Das Kind verstand seinen Ruf. Wie jeden Morgen gingen sie wenig später den Weg zwischen den Gärten hinüber zu den Feldern. Und wie jeden Tag hatte es Tino eilig. Und eilig sprang er dem Kind voraus. Es war wie immer.
Nicht wie immer war, dass Tino auch auf dem Nachhauseweg dem Kind weit voraus heimwärts eilte. Und während das Kind unterwegs in die Gärten lugte und auch dort nach dem Osterhasen Ausschau hielt, war Tino längst zuhause im Garten angelangt. Er hatte zu tun. Und sorgfältig versteckte er die drei Osterhasen in seiner geheimen Ecke, in der er alle seine Schätze sammelte. Später würde er sie im Garten für Notzeiten eingraben und vergessen.
Die Ostereier, die ein Herz ins Gras malten, schaffte er nicht mehr. Und das war gut so. Die nämlich warteten als glitzerbunte süße Überraschung noch immer darauf, eine Osterfreude zu sein. Und das waren sie auch. So sehr, dass keiner die drei Hasen in Tinos Versteck vermisste.

© Elke Bräunling

Über Elke

Elke Bräunling, Autorin

08. April 2017 von Elke
Kategorien: Frühlingsgeschichten, Kindergeschichten, Ostergeschichte, Tiergeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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