Opa sieht (sommer)rot

Opa sieht (sommer)rot und am liebsten sieht er frische rote Beeren – Eine Erdbeergeschichte

„Rot“, sagte Opa. „Ich sehe rot.“
O je. Es konnte nichts Gutes bedeuten, wenn Opa ‚rot‘ sah.
Opa aber lachte. Er langte zur Obstschale, griff nach einer Erdbeere und steckte sie in den Mund.
„Hm! Wie lecker sie sind, diese roten Früchtchen.“ Er schloss die Augen, schmatzte ein bisschen und murmelte: „So schmeckt der Sommer und so duftet er: würzig und süß und nach frischer Erde.“
„Die Erdbeere heißt ja auch so“, meinte Pia. „Wie Erde und Beere.“
„Und süß schmeckt sie wie Sommer und Sonne“, ergänzte Pit.
Opa nickte. „Eine Erdbeere ist wie ein roter, süßer Sommerkuss, und ich sage euch, diese Küsse liebe ich über alles.“
Und weil er fand, dass man viele Sommerküsse gut vertragen konnte, aß er gleich noch eine Beere und noch eine und noch eine. Weil Pia und Pit auch vom Sommer geküsst werden wollten, aßen auch sie noch eine Beere und noch eine und noch eine. Viele süße Erdbeeren verspeisten sie. Dann war die Obstschale leer und ihre Münder waren rot. Beerenkussrot.
Auch Omas Wangen waren rot, als sie wenig später in die Küche kam. Wutrot. Nicht kussrot.
„Sagt bloß, ihr habt alle Erdbeeren aufgegessen?“, fragte sie und ihre Stimme klang leise. So leise, wie sie immer klang, wenn sie wütend war. „Haben sie wohl gemundet?“
Pia und Pit zogen die Köpfe ein. Jetzt nämlich war ihnen eingefallen, dass Oma Großtante Luise versprochen hatte, zwei große Bleche Erdbeerkuchen zum Gartenfest mitzubringen. Daran hatten sie nicht gedacht, als sie mit Opa all die vielen Beeren-Sommerküsschen naschten. Au weia.
Opa schien von Omas Ärger nichts zu merken. Er schien auch nicht an das Gartenfest und Omas Erdbeerkuchenversprechen zu denken.
„Köstlich“, antwortete er nun. „Sie haben hervorragend geschmeckt.“ Er strich sich über den Bauch. „Und nun bin ich so satt, dass ich auf ein Mittagessen verzichten könnte. Du wirst doch sicher nichts dagegen haben, wenn wir …“
Er kam nicht weiter, denn jetzt sah auch er die wutroten Flecke, die auf Omas Backen wie kleine, rote Ampellichter aufleuchteten.
„Nein, ich habe nichts dagegen, wenn das Mittagessen für euch ausfällt“, antwortete Oma mit eisklarer Stimme. „Ihr habt nämlich keine Zeit zum Essen, weil ihr sofort und sehr schnell zum Obsthof fahren und Erdbeeren ernten werdet. Ich brauche sie für ….“
Sie brauchte nicht mehr zu sagen, wofür sie die Beeren benötigte. Jetzt nämlich fiel es auch Opa wieder ein und eine zarte Röte überzog sein Gesicht. Und rot war es später auch noch, als er mit Pia und Pit auf dem Erdbeerfeld neue Beeren erntete.
© Elke Bräunling

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Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

14. Juli 2015 von Elke
Kategorien: Familiengeschichten, Geschichten über Gefühle, Gutenachtgeschichten, Naturgeschichten, Sommergeschichten, Traumgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , | 2 Kommentare

Kommentare (2)

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