Das Lied der Kastanie
Das Lied der Kastanie
Märchenhafte Herbstgeschichte für Kinder
„Nur die Kinder konnten es hören – das Lied vom Sommer, vom Leben und von den Kastanienschätzen.“
Ein alter Kastanienbaum auf dem Marktplatz singt sein Lied vom Sommer – aber nur Kinder können es hören. Eine märchenhafte Herbstgeschichte mit Illustrationen und Ausmalbild.
Das Lied der Kastanie
Mitten auf dem Marktplatz stand ein Kastanienbaum neben der Statue des Königs. Niemand wusste, wer älter war und länger hier seinen Platz hatte, der Baum oder der König. Doch das interessierte auch niemanden so richtig. Sie waren halt da und das war gut so. Vielleicht unterhielten sie sich ja miteinander, nachts, wenn es still war.
Wer wusste das schon?
Im Frühling und Sommer blieb es still rund um den Kastanienbaum. Er bot Platz für die Tiere und Schatten für die Menschen, doch man schenkte ihm sonst kaum Beachtung. Wenn sich dann aber der Sommer verabschiedete, erwachte in ihm ein leiser, heimlicher Zauber, und gemeinsam mit dem Wind sang er sein ewiges Lied von der Zeit.
Zart begann es, fast nicht hörbar. Wie helle Geigen wisperten die Blätter, die Äste schlugen die Trommeln und die runden Früchte in ihren stacheligen Kleidern waren die Chorsänger. Leise sangen sie ihr Lied vom Sommer und vom Leben hier im Baum.
Nur die Kinder konnten es hören. Viele Stunden verbrachten sie nun bei der alten Kastanie, legen die Hände an ihren Stamm, schlossen die Augen und lauschten.
„Hört ihr es?“ flüsterten sie. „Der Baum singt ein Lied vom Ende des Sommers, von Sonne und Wärme und von seinen Kastanienschätzen. Schön klingt das. So schön!“
Und dann war es so weit: Eine nach der anderen lösten sich die Kastanien von den Ästen und polterten zu Boden. Sie ähnelten kleinen Herzen, wie sie da so lagen, glänzend und braun. Und wer sie aufhob, trug von nun an ein Stück des Kastanienliedes bei sich.
Und nach und nach verstummte das Lied im Baum, doch es lebte weiter: In den Händen der Kinder. In den Kastanien, die sie in ihre Hosentaschen steckten. Dort klang es weiter, ganz leise. Für jedes Kind allein.
So trugen die Kinder ihre eigenen Kastanienlieder mit nach Hause. Sie lauschten ihnen abends vor dem Einschlafen, in stillen Momenten und immer dann, wenn sie heimlich die Kastanie in der Tasche mit ihren Händen umschlossen. Und alle fühlten sie ein kleines Glück, das sie an Sommer erinnerte, an Wärme, Geborgenheit – und an den Kastanienbaum am Marktplatz.
Dieser Zauber blieb bei ihnen das ganze Jahr bis zum nächsten Herbst, wenn der alte Baum wieder sein Lied sang.
© Elke Bräunling
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AUSMALBILD


Liebe Elke,
so ein wundervolles Lied, es fängt die Stimmung dieser Tage großartig ein.
Leider ist die Illustration „Denkmal König und Kastanien auf dem Boden“ auf der Webseite nicht richtig dargestellt. Und es ist zu lesen „Hörst ihr es?“ Da würde „Hörst Du es?“ besser hinpassen, nicht wahr?
Ich hoffe, diese entzückende Geschichte findet viele Leser, groß und klein.
Ganz herzliche Grüße
Peter
Hallo Peter,
es freut mich, dass Ihnen die neue Geschichte gefällt und danke für den Hinweis auf den Tippfehler. Sie werden immer fündig und das macht mich gerade etwas kleinlaut 😉 Aber kenne Sie das? Man liest mehrere Male Korrektur, und dennoch klebt manchmal ein Fehler hartnäckig an seinem Platz… ein Rätsel fast.
Und nun rätsle ich weiter. Welcher Fehler steckt in der Illustration. Meinen Sie die kleinen Unterschiede zwischen beiden Bildern?
Liebe Grüße, Elke
Hallo Elke,
jetzt ist alles in Ordnung, das Bildchen wurde bei mir ursprünglich im Firefox nicht dargestellt, jetzt funktioniert es aber.
Alles gut. Und was so einen kleinen Tippfehler anlangt, es ist doch nur menschlich und ich schmunzele darüber …
Viele Grüße
Peter
Ja, der Firefox macht zuweilen so seine Zicken wie ein altes launisches Weib. 😉
Grüße, Elke