Macht Osterwasser wirklich schön?

Von Ostern, Geschwistern und einem alten Osterbrauch

Etwas Komisches stand am Ostersamstag in der Zeitung:
„OSTERWASSER MACHT SCHÖN!“, las Paul vor.
„So ein Quatsch“, fand Patrick, doch Paul ließ sich nicht beirren.
„Das ist ein alter Aberglaube, steht da. Früher sind die Mädchen früh am Ostermorgen heimlich auf eine Wiese gegangen und haben ihr Gesicht mit Tau benetzt. Manche haben sich sogar nackt ins nasse Gras gelegt.“
„Nackend?“, kicherte Patrick. „So ´was Blödes!“
Dann aber starrten beide nachdenklich ihre Schwester Pam an, die wie so oft vor dem Spiegel hockte und in ihrem Gesicht herum malte.
„Das mit dem Osterwasser, sag, wäre das nicht etwas für dich?”, schlug Paul ihr vorsichtig vor.
„Ja“, sagte Patrick. „Das macht schön. Hier, es steht sogar in der Zeitung.“
Pam horchte auf. „Wie denn?”, fragte sie interessiert.
„Ganz einfach“, sagte Patrick. „Du musst früh am Ostermorgen auf eine Wiese gehen und dich nackend ins Gras legen.“
„So ein Quatsch“, meinte Pam hochnäsig. „So etwas habe ich nicht nötig!“ Und sie sagte dieses ‚ich‘ etwas lauter.
„Nei-ei-ein“, grinste Paul. „DU doch nicht! Aber ein kleines Bisschen mehr Schönheit könnte ja nicht schaden, oder?“
Phh! Pam strich sich übers Haar und stolzierte zum Spiegel zurück.
„Die hat angebissen”, meinte Paul.
Auch Patrick war sich sicher. „Morgen früh wälzt die sich bestimmt im nassen Gras, wetten?“
Und beide kicherten voller Vorfreude. Das wollten sie sich nicht entgehen lassen.
Am Ostermorgen klingelte der Wecker die Brüder um 5 Uhr aus dem Schlaf. Müde legten sie sich am offenen Fenster auf die Lauer. Es war eiskalt so früh am Morgen.
„A-also, bei dieser Kälte würde ich mich nicht im nassen Gras wälzen“, sagte Paul mit klappernden Zähnen.
„D-du w-willst ja auch nicht schöner werden“, gab Patrick ebenso zitternd zurück.
Dann stierten sie Zähne klappernd in den Garten und kämpften gegen Kälte und Müdigkeit an. Pam aber kam und kam nicht, und irgendwann schliefen sie wieder ein. Sie schliefen, bis ihre Mutter im Zimmer stand und „Warum schlaft ihr denn am offenen Fenster?”, rief.
Ja, warum? Paul und Patrick waren sauer. Diese Blamage!
„Blödmann“, schimpfte Patrick.
„Penner!”, brummte Paul unausgeschlafen.
Er hatte Kopfweh, und im Hals kratzte es. Patrick ging es nicht besser, und so erschienen die beiden ‚Wachtposten‘ sehr missmutig zum Frühstück.
Papa lachte. „Ihr habt heute aber dicke Augen und rote Nasen!“
Pam kicherte. „Hihi. Hihi-ha-ha-haaaatschiiiii!“
„Deine Augen sind auch dick, und eine rote Nase hast du auch“, sagte Papa zu Pam. „Seid ihr etwa alle krank? Ausgerechnet heute an Ostern?“
„Nur ´n bisschen Schnupfen. Ha-ha-hatschiii!”, schniefte Pam.
Paul starrte Pam an. Gestern war sie doch noch gesund gewesen! Ob die sich bei dieser Saukälte heute Morgen doch ins Gras gelegt hatte?
„Du hast auch schon mal besser ausgesehen“, sagte er zu Pam. „Vielleicht ist die Sache mit dem Osterwasser ja doch nur ein Aberglaube…!“
„Stimmt“, grinste Patrick. „Auch Zeitungen können sich ja mal irren.“
„Meint ihr mich?“ Pam tat, als wisse sie nicht, wovon die beiden sprachen, doch ihr Gesicht wurde rot und immer röter.

© Elke Bräunling

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

09. April 2017 von Elke
Kategorien: Auf dem Land, Familiengeschichten, Frühlingsgeschichten, Kindergeschichten, Ostergeschichte | Schlagwörter: , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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