Hexenzwiebel

Eine Bärlauchgeschichte – Der Duft im Wald erinnert an leckere Speisen und macht hungrig

Irgendwie komisch riecht es heute im Auenwald. Komisch und gut und gleichzeitig dann doch auch wieder weniger gut.
„Bestimmt grillt da jemand irgendwo“, sagt Mara und schnieft.
Ihr Bruder Max sieht sich gleich suchend um. Für Grillwürstchen und Burger ist er immer zu haben.
„Wo?“, fragt er, um gleich mit einem Seufzer fortzufahren: „Ich bin ja so hungrig auf einen Hamburger, der genau so duftet wie der Wald hier.“
„Das kannst du haben.“ Mama bückt sich und pflückt ein paar von diesen hellgrünen Blättern, die überall den Waldboden bedecken. „Hier! Schnuppert mal!“
„Ein Burger wäre mir lieber“, mault Max, doch dann hält er seine Nase doch in das frischgrüne Blattzeugs in Mamas Hand.
„Hey!“, ruft Mara. „Diese Blätter riechen nach Grillessen! Hm! Jetzt krieg ich auch Hunger.“
„Ich auch“, sagt Papa. „Nach würzigen Bärlauchpfannkuchen. Genau so heißen diese Pflanzen nämlich. Bärlauch. Und man kann feine Gerichte mit ihnen kochen.“
„Auch Burger?“, fragt Max.
Papa grinst. „Die auch“, antwortet er. „Man verwendet Bärlauch als Würzkraut oder Wildgemüse oder man bereitet damit Pesto zu oder Bärlauchspätzle oder Bärlauchfrikadellen oder … oh, mir fallen da gerade viele Speisen ein und die schmecken alle so lecker.“
Mama denkt an das üppige Frühstück, das sie an diesem Sonntagmorgen aufgetischt hat, und seufzt. „Was seid ihr doch für eine ausgehungerte Familie! Man könnte meinen, ihr seit vorhin nicht satt geworden.“
„Doch!“, ruft Max. „Aber nicht burgersatt. Ein Essen, das wie Grillburger und Würstchen duftet, passt immer in meinen Bauch.“
„In meinen auch.“ Mara pflückt eine Bärlauchpflanze. „Die habe ich aber noch nie in unserer Küche gesehen, auch nicht, wenn wir grillen. Den Geruch aber kenne ich gut.“
„Das ist der Duft des Knoblauchs“, sagt Papa. „Man nennt den Bärlauch daher auch ’Waldknoblauch’ oder ‚Knoblauchspinat‘ oder ‚Hundeknoblauch‘.“
„Er hat auch den Namen ‚Hexenzwiebel‘“, sagt Mama und lacht. „Verhext er doch tatsächlich Leute mit satten Mägen und macht sie wieder hungrig! Aber nun lasst uns ein paar Handvoll Bärlauchblätter sammeln, denn auf Papas Bärlauchpfannkuchen habe ich, wenn ich es mir so recht überlege, nun auch einen Riesenappetit bekommen.“

© Elke Bräunling

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Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

18. April 2017 von Elke
Kategorien: Auf dem Land, Familiengeschichten, Frühlingsgeschichten, Naturgeschichten, Waldgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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