Die Mutprobe auf dem Jahrmarkt

Mutgeschichte für Kinder – Mädchen sollen feige sein in der Geisterbahn?

Endlich ist Jahrmarkt, und Lena, Tom und Max verbringen gleich den ersten Nachmittag auf dem Festplatz. Viel Neues gibt es hier zu sehen! So viele spannende Fahrgeschäfte! Die drei Freunde aber haben nur Augen für die ´Todesspirale´, einer neuen Bahn, die viel höher und kurviger und gefährlicher ist als die Achterbahn vom letzten Jahr. Aufgeregt beobachten sie, wie die Wagen die Bahn hinunter brausen und sich in den Kurven so schief legen, dass man glaubt, die Insassen würden herausfallen. Und noch aufgeregter hören sie, wie die Leute in den Wägen immer wieder laut aufschreien.
„Dazu braucht man viel Mut“, sagt Lena mit einem Seufzer. „Also, irgendwie ist mir das unheimlich.“
„Typisch Mädchen“, spottet Max, und Tom sagt: „Feigling!“
Feigling? Das will Lena nicht noch einmal hören.
„Okay“, sagt sie. „Ich werde diese doofe Bahn fahren, ohne auch nur einmal zu schreien. Wetten?“ Und bevor ihre Freunde etwas sagen können, geht sie mit mächtigem Herzklopfen zum Kassenhäuschen und sagt mutig: „Eine Karte, bitte!“
„Kinder unter zwölf nur in Begleitung von Erwachsenen!“, erwiderte die Kartenverkäuferin unfreundlich.
„Gemeinheit!“, sagt Lena so laut, dass Tom und Max ihre Empörung deutlich hören können, insgeheim aber atmet sie erleichtert auf. „Na“, fragt sie. „Wer ist nun ein Feigling?“
„Da hast du aber Glück gehabt“, sagt Tom nur, und Max meint lässig:
„Dann zeig uns doch in der Geisterbahn, wie mutig du bist!“
Geisterbahn? Lena zögert. Mit Knochengerippen und Geistergeheule hat sie auch wenig am Hut, doch als sie in die feixenden Gesichter ihrer Freunde blickt, nickt sie.
„Okay!“, sagt sie. „Fahren wir Geisterbahn!“ Und sie nimmt sich vor, um keinen Preis zu schreien. Egal, was auch passieren würde.
Mit hoch erhobenem Kopf setzt sich Lena vor ihre Freunde in den Geisterbahnwagen – und als der in die Bahn einfährt, schließt sie die Augen und denkt an etwas ganz Schönes, das überhaupt nichts mit Geistern und Gruselkram zu tun hat. Irgendwie würde diese Fahrt schon vorbeigehen. In schnellen Windungen rast der Wagen durch das Dunkel. Lena denkt an die süßen Babys von Nachbarkatze Mimi. Da, etwas Klebriges streift ihr Gesich! Schnell denkt Lena an den Urlaub am Meer, und sie schafft es, auch jetzt nicht vor Ekel zu schreien. Das Geistergewimmer in der Bahn wird lauter und klingt grausig. Lena bekommt eine Gänsehaut. Sie will sich die Ohren zuhalten, doch Tom und Max hinter ihr würden dann sicher „Feigling“ sagen. Also denkt Lena schnell wieder an etwas Schönes: an ihren Geburtstag nächste Woche. Sie denkt und denkt und …
Aber Halt! Wer schreit denn hier so laut? Das klingt nicht nach Geistern. Nein, es sind die Stimmen von Tom und Max, die sie hört. Lena dreht sich um und sieht ihre Freunde mit geschlossenen Augen und zugehaltenen Ohren im Wagen sitzen und vor Entsetzen laut schreien, schreien, schreien.
Da muss Lena lachen, und kein Geist der Welt könnte sie jetzt noch erschrecken. Sie lacht, bis der Wagen die Bahn verlässt, und auch auf dem Heimweg lacht sie noch. Von wegen „Feigling“…

© Elke Bräunling

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Auf der Kirmes
Der Luftballonwettkampf

Max und der Luftballonstrauß
Der kleine Rabe und das Riesenrad

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 Bildquelle © Kapa65/pixabay

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