Die kleine Waldmaus und das schöne Frühlingsspiel

Im Frühling ist der Waldboden besonders spannend, das lernt die kleine Waldmaus kennen

Endlich war der Frühling auch im Wald eingekehrt. Frische Gräser und Waldkräuter bahnten sich ihren Weg ins Licht. Hier und da streckten Veilchen, Sauerklee und Buschwindröschen ihre Blütenköpfe durch das braune vertrocknete Herbstlaub. Das bedeckte nach dem langen Winter noch immer fast den ganzen Waldboden. Unter Tier- und Menschenfüßen knisterte und knackte es manchmal so laut, dass man sich fürchten konnte.
Jedes Mal, wenn die kleine Waldmaus dieses Knacken hörte, schrak sie zusammen. Ein bisschen zitterte sie auch. Während des langen Winters, den sie mit ihrer Familie in der Mausehöhle verbracht hatte, hatte sie die Geräusche des Waldes und der Wiese nämlich fast ein bisschen vergessen gehabt. Dieses laute Knacken der alten Blätter hatte sie sowieso zuvor noch nie gehört. Auch hatte sie nicht gewusst, dass Blätter so hart und trocken sein konnten. Wie auch? Die Blätter des Sommers waren grün und die des Herbstes bunt. Zart fühlten die sich an, geschmeidig und glatt. Na ja, ein bisschen hatten auch die Herbstblätter schon geknistert, wenn sie am Boden lagen. Aber nur ein bisschen und nicht so hart und unfreundlich wie es die Winterblätter nun taten.
„Sie liegen da zum Mäuseerschrecken!“, rief die kleine Maus, als zwei Waldhasen mit Rascheln und Knistern und Knacken an der Mäusehöhle vorbei gejagt waren.
„Du musst dich nicht fürchten, kleine Maus“, tröstete Opa Maus. „Im Gegenteil: Es gibt keine besseren Warnrufe als das Stöhnen der alten Blätter. Dies hilft uns, Gefahren schneller und besser und deutlicher zu hören. Eine gute Sache, um Augen und Ohren nach dem langen Winterschlaf wieder für das neue Leben zu schärfen.“
„Schärfen?“, fragte die kleine Maus.
„Üben!“, sagte Opa Maus. „Das Waldleben will immer wieder aufs Neue gelernt und geübt werden. Ganz besonders im Frühling.“
Das verstand die kleine Maus. „Und wenn mich die Blätter mit ihrem Knirschen und Knacken warnen, verstecke ich mich rasch unter einem sicheren Stein … oder ich laufe besser gleich in die Höhle zurück. Es könnte ja ein Mausejäger sein, ein Kater oder ein Igel, ein Marder oder Fuchs.“
„Genau so solltest du es tun.“ Opa Maus nickte. Er war zufrieden. Waldmäuse mussten immer sehr gut aufpassen, wenn sie unterwegs waren. Besonders jetzt im Frühlingswald. Es gab hier nämlich noch nicht so hohe Gräser, Blumen und Kräuter, unter denen man sich verstecken könnte. Und die Waldtiere waren nach der kargen Winterzeit im Frühling sehr jagdlustig. Besonders gerne jagten sie kleine Waldmäuse. Deshalb war es wichtig, gut aufzupassen.
Ja, Opa Maus liebte das trockene und harte Knacken der Herbstblätter deshalb sehr.
Und die kleine Waldmaus?
Die hüpfte und tänzelte gerade über den Waldboden und hatte großen Spaß daran, die Blätter auch einmal zum Knacken und Knistern und Rascheln zu bringen. Was für ein schönes Frühlingsspiel das war!

© Elke Bräunling

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

11. April 2017 von Elke
Kategorien: Frühlingsgeschichten, Kindergeschichten, Märchen, Tiergeschichten, Waldgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , , | 2 Kommentare

Kommentare (2)

  1. Liebe Elke,
    mal wieder ein kleines -ich denk an dich-Zeichen…..

    Liebe Ostergrüße
    schicken wir und wünschen ein schönes Osterfest,
    das viel Freude und Hoffnung schenkt
    und liebes Beisammensein!
    Alles Liebe und Gute
    wünschen die Tiere und die Monika*

  2. Liebe Moni,
    von Herzen ein Danke für deine lieben Grüße. Ich denke so oft an dich – mit sehr schlechtem Gewissen, weil dein letzter Brief noch unbeantwortet ist – und dein Name steht dick in meinem Kalender. Ich melde mich. Bald.
    Viele gute Gedanken und Wünsche an dich
    deine Ele
    <3

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