Der kleine Bär muss nicht alleine sein

Kindergeschichte vom Spaß haben – Mit Freunden lachen kann man auch im Traum

Weil der kleine Bär wegen der neuen Hustenkrankheit im Wald nicht mit seinen Freunden spielen durfte, war ihm manchmal langweilig so ganz alleine mit sich. Dann träumte er sich hinüber zu den Schmetterlingen, die auf der Wiese vor der Bärenhöhle über den Blümchen tanzten.
Das Träumen war ganz einfach: Er setzte sich vor der Höhle ins Gras, schloss die Augen, atmete drei Mal tief ein und aus und – schwups – schwebte er schon leicht wie ein Schmetterling in der Luft.
So auch heute. Langsam flog der kleine Schmetterlings-Traumbär so dicht über die Blütenköpfe und Grashalmspitzen, dass die seinen Bauch kitzelten. Das war lustig. Der kleine Bär war nämlich sehr kitzelig und jedesmal, wenn eine Grashalmspitze über seinen Bauch strich, musste er kichern. Und weil das oft passierte, kicherte der kleine Schmetterlingsbär auch oft.
„Hihi! Hihi hihi! Hihiiii!“, hallte es so nun weit und fröhlich über die Wiese. „Hihi! Hihi hihi! Hihiiii!“
Gemütlich schwebte der kleine Bär so von Blüte zu Blüte und Grashalm zu Grashalm und kicherte, kicherte, kicherte.
„Hihi! Hihi hihi! Hihiiii!“
„Hi … hi … hi … hi … hiiihihi!“, stimmten auf einmal unzählige Stimmchen in sein Kichern mit ein und eine fremde glockenhelle Stimme rief:
„Hi … hi … hi … hi … hiiihihi? Was ist’s? So lustig klang es hier noch nie. Nun sag, worüber gibt’s zu lachen, kichern, schmunzeln, all die Sachen, die die Tage heller machen?“
„Wir sind es nicht“, riefen die Schmetterlinge. „Wir haben zu tun. Nektar sammeln müssen wir.“
„Und ich muss ein Nest bauen“, sagte die kleine Meise. „Es eilt mir sehr. Zum Lachen habe ich keine Zeit.“
„Mir ist auch das Lachen vergangen“, klagte die Wiesenmaus. „Die Katze war den ganzen Morgen hinter mir her. Jetzt bin ich müde.“
„Und wir sind Arbeiterinnen tagaus tagein“, erklärten die Ameisen, die über den Wiesenboden wuselten.
„Hier gibt es nichts zu lachen“, knurrte der Fuchs, der müde war und schlafen wollte. „Ich bin müde. Die Nacht ist anstrengend gewesen.“
Der Igel nickte und gähnte. „Jeder hat hier zu tun, ob am Tag oder in der Nacht. Dieses Kichern stört nur. Hört ihr!?“
„Ja, Schluss damit! Es passt heute nicht hierher!“, zirpten die Grillen und alle Tiere stimmten mit ein.
„Ruhe! Hört ihr? Ruhe!“, riefen auch die Schmetterlinge, die Meisen, die Wiesenmäuse, die Ameisen, der Fuchs und der Igel.“
„Ha-halt! Wartet!“ Mit Schwung raste das Eichhörnchen von Baum zu Baum und Ast zu Ast und landete schließlich auf dem großen Wiesenstein. „Ich aber möchte gerne lachen. Immer Futter suchen und arbeiten ist langweilig.“
„Wir auch! Hihi!“ Dabei müssen wir doch gerade sehr viel arbeiten. Schwer arbeiten sogar. Wir müssen nämlich den Bauch des kleinen Bären, der glaubt, ein Schmetterling zu sein, kitzeln und kitzeln und kitzeln und das, hihi-hihi, macht großen Spaß. Sooo großen Spaß. Hihi.“
Es waren die Grashalme, die nun noch lauter kicherten und kicherten und kicherten. Weil der dicke Bärenbauch, der so dicht über sie hinweg flog und sie streifte, so witzig aussah. Und weil es Spaß machte, einen kitzeligen Bären zu kitzeln. Und weil man bei einem Bärenkichern einfach nicht anders konnte als mitzumischen. So einfach war das.
Da konnte keines der Wiesentiere mehr ernst bleiben und alle, wirklich alle fingen nun auch an zu lachen und kichern und grunzen und fiepen. Selbst die, die so viel Arbeit hatten.
Sehr fröhlich ging es zu auf der kleinen Waldwiese.
„Mit Lachen“, sagte der kleine Bär später, als er nach seinem Traum wieder vor der Höhle saß, „geht alles leichter. Sogar das Langeweile haben. Und keiner musste alleine sein. Irgendwie nämlich sind wir doch alle zusammen gewesen und haben Spaß gehabt.

© Elke Bräunling

Kleiner Bär träumt sich zu seinen Freunden, Bildquelle © Alexas_Fotos/pixabay

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