Vier Geschichten zum Altweibersommer
Vier Geschichten zum Altweibersommer
Von kleinen Wundern in der Natur in den Tagen zwischen Sommer und Herbst
„Man muss nicht alles begreifen müssen – und das ist gut so.“ (Elfenkönig)
Der Altweibersommer ist eine dieser geheimnisvollen Zeiten, in denen die Natur für einen Augenblick innehält. Nebelfäden schweben wie silberne Träume über den Wiesen, Spinnennetze glitzern im Morgentau, und die Sonne schenkt uns noch einmal ihr warmes Lächeln. In diesen stillen, goldenen Tagen zwischen Sommer und Herbst erwachen kleine Wunder – und genau davon erzählen diese vier Geschichten. Mit vier Ausmalbildern.
Inhalt
- Die kleine Elfe und der Waldwichtel entdecken den Altweibersommer
- Altweibersommer
- Herbstzaubermorgen auf der Waldwiese
- Der Herbst und seine Oma
Die kleine Elfe und der Waldwichtel entdecken den Altweibersommer
Septembermärchen für Kinder – Im Altweibersommer sieht die Wiese wie verzaubert aus
„Hm! Hm! Es riecht hier so seltsam heute.“
Die kleine Waldelfe streckte ihr Näschen in die Luft und schnupperte. „Ja, ganz anders riecht es und nicht einmal schlecht.“
Ihr Freund, der Waldwichtel, schnupperte nun auch.
„Hm! Frisch duftet es. Und würzig.“
Er stemmte die Fäuste in die Seiten und lief ein paar Schritte in den Wald hinein, schnupperte und kehrte zur Waldelfe zurück.
Die saß auf einem Maronenpilz und sah den Freund fragend an.
„Es riecht einfach richtig gut nach Wald“, ergänzte sie. „Nur ein bisschen sehr kühl ist es. Ob diese Dämpfe dort drüben uns diese Kühle und den wundervollen Geruch bringen?“
Die Waldelfe deutete auf die silberweißen Nebelschwaden, die den Teich bedeckten und die sich auch zwischen Gräsern und Blüten der Teichwiese verbargen.
„Dämpfe? Welche Dämpfe? Du meinst, unser Wald brennt?“ Erschrocken wirbelte der Wichtel herum. „Feuer ist gefährlich. Für den Wald und für uns Waldleute. Aber ich rieche keinen Rauch. Seltsam. Seltsam.“
Er schnupperte wieder, ganz aufgeregt nun. Dann kletterte er zu der Elfe auf den Pilz und stellte sich auf die Zehenspitzen.
„Wo?“, jappte er. „Sag schnell! Wo sind die Feuerrauchdämpfe?“
In diesem Augenblick tauchte die Sonne ihre Strahlen durch das Nebelgrau. Ihr Licht verwandelte die ‚Dampfwolke‘ in ein silbern leuchtendes Funkelsternemeer. Überall auf der Teichwiese und am See glimmerte und schimmerte und funkelte es.
Die beiden Waldgeister staunten.
Da, plötzlich, hörten sie Stimmen.
„Toll“, rief die eine Stimme, die zu einem kleinen Mädchen gehörte. „Eine Fee hat den Wald verzaubert und silbern angemalt.“
„Quatschnase“, sagte eine Jungenstimme. „Das ist die Sonne, die ihre Strahlen in den Morgennebel und in die Netze der Herbstspinnen taucht. Die Leute sagen ‚Altweibersommer‘ dazu. Aber das kannst du nicht wissen. Du bist noch zu klein.“
Das Mädchen lachte und klatschte fröhlich in die Hände. „Ich mag die Geschichte mit der Zauberfee lieber.“
Es sprang über die Wiese zum Teich und sang:
„Die Zauberfee war da. Wie schön ist’s hier hurra. Die Wiese schimmert silberklar, lala, lala, die Zauberfee war da. Hurra.“
Der Junge stimmte in das Lied mit ein und folgte seiner Schwester.
Noch lange lauschten die beiden kleinen Waldgeister dem Lied.
„Schön!“, sagte die kleine Elfe verträumt. „Und nun will ich sie kennen lernen, diese Zauberfee.“
„Es soll sie nicht geben, hat der Junge gesagt“, murmelte der Wichtel. „Aber vielleicht sind wir beide ja auch noch zu klein, um diesen ‚Altweibersommer‘ zu verstehen.“
Die Elfe nickte. „‚Man muss nicht alles begreifen müssen‘, hat der Elfenkönig gesagt. „Und das ist gut so.“
Sie fasste ihren Wichtelfreund an der Hand und langsam liefen sie zum Teich hinunter. Vielleicht würden sie sie dort ja doch treffen, jene geheimnisvolle Zauberfee.
© Elke Bräunling
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Altweibersommer

Altweibersommermärchen – Wenn der Sommer im frühen Herbst manchmal zurückkehrt
An manchen Tagen im September schleicht sich der Sommer klammheimlich hinter dem Rücken des Herbstes zurück. Er bringt die Sonne mit, lässt sie noch einmal warm vom Himmel scheinen und wandert mit ihr durchs Land. Der Sommer ist neugierig. Er möchte sehen, was der Herbst in Wäldern und Gärten, auf Wiesen und Feldern inzwischen angestellt hat. Ja, und ärgern möchte er den Herbst natürlich auch ein bisschen, denn klar, die Leute genießen die warmen Tage und sagen: „Wie schön, der Sommer ist zurückgekehrt!“
Der Sommer lacht, wenn er das hört, und es freut ihn, wenn er sieht, wie sehr sich der Herbst darüber ärgert.
Doch der Sommer kommt nicht alleine.
Kleine ‚Sommergeister’ heften sich an seine Fersen und folgen ihm auf seiner Wanderung durch das Land. Dabei gehen sie ihm gewaltig auf die Nerven. Wie einen lästigen Mückenschwarm wehrt der Sommer die Geistermeute deshalb immer wieder ab. Dann sausen die kleinen Geisterkerle im Sturzflug viele Kilometer weit durch die Lüfte. Um sich nicht zu verlieren, halten sie einander an ihren langen, silberweißen Haaren fest. Unterwegs machen sie Verschnaufpausen auf Bäumen und Büschen, auf Gräsern und Blumen, auf Mauern und Hausdächern und verlieren dabei überall ihre silberlangen Härchen.
Die spannen sich wie unsichtbare Fäden übers Land und funkeln silbrig hell im Sonnenlicht. Irgendwann aber sind die kleinen Geister ganz kahl auf den Köpfen. Da schämen sie sich so sehr, dass sie sich eilig in ihr Schlafquartier verkriechen. Dort bleiben sie, bis ein zarter, hellblonder Frühlingsflaum ihre Köpfe wieder schmückt. Die Menschen aber freuen sich über die Silberfäden, die ihnen im Herbstsonnenlicht entgegen schimmern und rufen:
„Oh, Altweibersommer, wie schön!“
Der Sommer freut sich auch an der Freude der Menschen, doch wenn er dieses Wort ‚Altweibersommer’ ein paar Mal hört, beginnt er sich auf einmal alt und immer älter zu fühlen. Und müde.
„Nein“, sagt sich der Sommer, „ärgern will ich mich nicht. Ich bin nur müde. Ein kleines Schläfchen, dann setze ich meine Wanderung fort.“
Und er verzieht sich gähnend in sein Schlafquartier, wo er dann auch sogleich einschläft. Zufrieden schnarcht er vor sich hin, bis seine hellblond gelockten Sommergeister ihn im Frühling wieder aus dem Schlaf reißen und wie ein lästiger Mückenschwarm piesacken.
© Elke Bräunling
Hier liest dir Regina Meier zu Verl dieses Märchen vor. Ab Freude damit!
Herbstzaubermorgen auf der Waldwiese
Kindergeschichte vom Altweibersommer – Aus Wiesen werden nach Nebelnächten manchmal funkelnde Zauberwiesen
Eine Fee hatte über Nacht viele tausend und mehr kleiner Glitzerperlchen über der kleinen Waldwiese am Rande der Straße ausgestreut. Die legten sich über Gräser und Spinnennetze, kullerten in die Blütenköpfe oder kuschelten sich zwischen Blütenstängeln und Samenkapseln.
Wie verzaubert sah die Wiese nun aus. Es war, als hätten viele tausend und mehr kleine Waldwesen sie für ein Waldwiesenfest mit Perlenketten geschmückt.
Dies sah so schön und einladend aus, dass die Sonne lächelte, als sie sich am Morgen über die Hügel am Horizont lupfte.
Sie schickte gleich ein paar Sonnenstrahlen zu der kleinen „Festwiese“. Die huschten über die Feen-Glitzerperlen, umschmiegten die Gräser, Blüten und Spinnennetze und verwandelten die Wiese in eine Märchenwelt. Wie eine Schatztruhe voller Diamanten, Perlen und Silberketten sah sie nun aus.
„Da liegt ein Schatz auf der Wiese!“, rief ein Kind. Es saß in einem Schulbus, der wie jeden Morgen die Kinder in die große Stadt brachte.
Ein Schatz? Wo? Nun wollten alle Kinder im Bus den Schatz sehen und der Busfahrer, der gerne Schulbusfahrer war, lächelte. Er stoppte den Bus am Straßenrand in einer Parkbucht, schaltete die Warnblinkleuchten ein und öffnete die Türen.
Ein Schulbus mit Warnblinkleuchten? War da vielleicht etwas passiert? Sogleich hielten ein Milchlaster und ein Postauto an. Auch die Fahrer der vielen Autos, die es sonst immer sehr eilig hatten, stoppten und hatten auf einmal Zeit. Einer nach dem anderen parkten sie am Straßenrand und blickten auf die geheimnisvolle Zauberwiese hinab.
„Wie schön!“, riefen sie.
„Was für ein einzigartiges Naturwunder!“
„Ohhh! Ahhhh!“
„Toll!“
Und weil sich nun so viele an den Straßenrand drängelten, blieben noch mehr Autos stehen. So drängelten sich immer mehr Leute am Rand der Wiese. Sie taten, als hätten sie noch nie eine Wiese mit Tautropfen und Spinnweben, die sich im Licht der Morgensonne spiegelten, gesehen. Sie zückten Kameras und Handys und fotografierten Wiesenfotos. Die schickten sie nach Hause oder zu Freunden oder sie stellten sie ins Internet, so dass alle Menschen auf der Welt die Wiese sehen konnten.
Die Sonne wunderte sich. Es war doch nur eine Wiese wie viele andere auch! Sie wandte ihre Strahlen ab und zog weiter zur nächsten Wiese und zur nächsten und nächsten. Es gab so viele davon in jenen Herbsttagen, die die Menschen auch ‚Altweibersommer’ nannten.
© Elke Bräunling
Diese Geschichte findest du in dem Buch:

Taschenbuch: Hör mal, Oma! Ich erzähle Dir eine Geschichte von Herbst und Winter: SAMMELBAND Herbst- und Wintergeschichten – Von Kindern erzählt *
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Der Herbst und seine Oma
Herbstgeschichte für Kinder – Sind es Geister, die die Natur silbern verzieren, und was ist Altweibersommer?
An einem herbstlichen Morgen machen Papa und Pit eine Radtour in den Wald. Pit freut sich und denkt an das Märchen, das ihm Mama vorgelesen hat. In Herbstnächten sollen im Wald nämlich Geister herumspuken. Vielleicht, überlegt Pit, sind heute ein paar unterwegs?
Im Wald ist es nebelig und die Wege sind voller Herbstlaub.
„Warum müssen die Blätter im Herbst sterben?“, fragt Pit. „Wegen der Herbstgeister?“
„Herbstgeister?“ Papa lacht. „Oh nein. Die Bäume sammeln Kraft und stehlen sich den Saft aus den Blättern. Die Blätter trocknen aus, werden bunt und fallen zu Boden. Und wenn der Wind mitspielt, geht es noch schneller.“
„Vielleicht sind es aber doch die Herbstgeister“, meint Pit.
Papa seufzt. „Wenn du meinst … hm … dann sind deine komischen Geister aber auch Schuld, dass es hier noch so neblig ist.“
„Bestimmt“, sagt Pit. „Im Nebel können sie sich besser verstecken.“
Sie kommen zu einer Lichtung. Hell ist es hier. Die Sonne bricht durch die Nebeldecke, und zwischen Sträuchern und Gräsern hängen tausend und mehr dünne Fäden. Sie funkeln silbern im Sonnenlicht. Schön ist das.
Pit staunt. „Die Herbstgeister!“, ruft er. „Juchhu! Es gibt sie doch!“
„Das ist der Altweibersommer“, sagt Papa, der mit Geistern einfach nichts am Hut hat.
„Altweibersommer?“ Pit denkt an Oma, die gar nicht alt aussieht. „Das klingt doof.“
Papa lacht. „Die Silberfäden erinnern eben an die Haare alter Frauen. Ganz einfach.“
„Na ja“, meint Pit zweifelnd. „Oma hat keine grauen Haare. Ich finde, diese Fäden sehen wie Geisterzaubergarn aus. Das klingt schöner.“
Papa nickt. „Du hast recht. Da fällt mir auch die Geschichte vom Herbst und seiner Oma ein. Willst du sie hören?“
Dumme Frage.
„Klar!“, ruft Pit, und Papa erzählt:
„Die Silberfäden, die im Herbst an Zweigen, Gräsern, Zäunen, Dachrinnen und sonst wo hängen und in der Sonne glänzen und glitzern, waren den Menschen früher nicht geheuer. ‚Teufelswerk’, sagten sie voller Aberglaube. Andere erzählten sich die Sage vom Herbst und seiner Oma, und die ging so:
Oft fühlte sich der Herbst wegen der ewig klugen Ratschläge seiner Oma schrecklich genervt. Weil diese einfach nicht den Mund halten konnte, jagte er sie voller Wut mit seinen Windgeistern übers Land. Dabei ging es so wild zu, dass die arme Herbst-Oma überall ihre silbergrauen Haare verlor. Die Menschen fanden das nicht gut, und sie hassten den Herbst so sehr, dass sie ihm aus dem Weg gingen und Türen und Fenster fest zusperrten. Das ärgerte den Herbst. Er rüttelte mit seinen Winden an Türen und Fensterläden, zerrte Ziegel von den Dächern und riss Bäume um. „Ich habe keine Oma“, brüllte er dabei. „Die Silberfäden haben Elfen und Herbstgeister beim Unfugtreiben verloren!“
Die Menschen aber glaubten ihm nicht und nannten die Zeit der Silberfäden ´Altweibersommer´ zum Andenken an die Herbst-Oma. Auch heute noch sagen manche, alte ´Weiber´ hätten ihre Haare beim Kämmen verloren. Ältere Damen mögen das natürlich nicht so gerne hören und sagen ärgerlich: ´Dummes Gerede!´“, schließt Papa.
Pit lacht. Er denkt wieder an Oma. Ihr wird er die Geschichte vom Herbst und den alten Weibern erzählen. Was sie wohl dazu sagen wird?
© Elke Bräunling
Diese Geschichte findest du in dem Buch:

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🌿 Der Herbstzauber im Wald
☀️ Der kleine Septembernebel und die Sonne
🍁 Ein Zaubertag im Herbst – Gedicht
🧵 Alte Weiber – Gedicht
🎩 Der Zauberer – Ein Rätselgedicht
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Ein Gedanke zu „Vier Geschichten zum Altweibersommer“