Das Mädchenauto

Gefunden: Das richtige Auto für Mama – oder für uns?

Eigentlich fanden wir die Sache mit dem rosafarbenen Fiat voll witzig, aber manchmal kann jeder Witz auch voll in die Hose gehen.
Begonnen hatte es mit Mamas alter Nuckelpinne Emma, die einmal ein tolles Auto gewesen war. Vor fünfzehn Jahren oder so. Jetzt war sie es halt nicht mehr, Emma, nicht Mama, und Papa und ich brachten sie wieder einmal in die Werkstatt. Dort grinsten sie schon, wenn wir Emma vorbeibrachten. Heute aber guckten sie bald ziemlich ernst und meinten, das mit Emma könnte nun doch ein paar Tage und vielleicht auch ein oder zwei Wochen dauern. Wegen dem Ersatzteil, das sie in England erst bestellen mussten.
„Ach ja“, schimpfte Papa. „Ich sage es immer: Kaufe nie ein englisches Auto!“
Und weil er es mit englischen Autos nicht so hatte und Mama ohne Auto nicht leben, na ja, nicht arbeiten konnte, suchte er dann gleich einen Leihwagen für sie aus. Keinen englischen, nein, einen italienischen. Einen Winzfiat in rosa. Ja, in mädchenrosa. Einen anderen Wagen hatten die nämlich gerade nicht für eine oder zwei Wochen frei.
Papa schien das witzig zu finden, denn auf der Heimfahrt grinste er so richtig fies vor sich hin. Ich aber duckte mich. Nicht auszudenken, wenn mich einer meiner Freunde mit Papa in diesem peinlichen Auto gesehen hätte! Oh, daran wollte ich gar nicht denken.
„Wir haben dir ein Mädchenauto mitgebracht“, erzählte Papa Mama später. „Du wirst deine Freude damit haben.“
„Eine Freude? Wie spannend!“
Mama warf einen Blick aufs Fenster und sah das Mädchenauto unten auf dem Parkplatz. Inmitten der vielen schwarzen und grauen und weißen Autos sah der rosafarbene Fiat aus wie ein leuchtendes Himbeerbonbon. Irgendwie fröhlich, aber irgendwie doch auch megahochnotpeinlich. Und insgeheim beschloss ich, in der nächsten Zeit lieber mit dem Bus in die Schule zu fahren. Dieses Bonbonauto würde bestimmt auch doof aussehen, wenn Mama es fuhr.
„Was für ein niedliches, kleines Auto!“ Mama lächelte. „Es hat Charme, findet ihr nicht auch?“
Wir nickten und taten, als gefiele uns der Fiat genauso gut wie Mama.
„Dumm ist nur“, fuhr Mama fort, „dass ich ihn in den nächsten Tagen nicht fahren kann. Wegen der vielen Materialkisten und Musterbücher, die ich in meine Workshops mitnehmen muss, brauche ich ein Auto mit einer Ladefläche. Hm. Ja, es ist wirklich dumm, aber wir werden tauschen müssen. “
Sie sah Papa an und in ihren Augen lag nun auch ein Grinsen.
„Ich nehme deinen Wagen und ihr dürft euch mit diesem Schätzchen dort unten vergnügen. Oh, ich beneide euch! Es ist ja nicht nur ein Auto für Mädchen, oder?“
Jetzt war ihr Grinsen fies, richtig gemein fies.
Und wir? Wir hatten verloren. Aber so richtig fett. Und so fühlte es sich für Papa und mich dann auch an in den folgenden Tagen, an denen wir mit Mamas rosafarbenen Mädchenauto unterwegs waren. Mehr sage ich dazu jetzt besser nicht.

© Elke Bräunling

Über Elke

Elke Bräunling, Autorin

04. März 2017 von Elke
Kategorien: Familiengeschichten, Kindergeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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