Archiv für Bärengeschichte

Der kleine Bär hilft dem Kartoffelzwerg

Auf dem Kartoffelfeld ist nach der Ernte mächtig ‚was los. Ganz schön ins Schwitzen kommt der kleine Bär

Als der kleine Bär für Mama Bär Pilze sammelte, hörte er am Waldrand lautes Klagen. Ein kahlköpfiger brauner Winzling mit einem Faltengesicht sauste aufgeregt über das abgeerntete Kartoffelfeld.
„Wer bist du?“, fragte er den Fremden.
„Sieht man doch“, quäkte der. „Der Kartoffelzwerg bin ich. Und Hilfe brauche ich. Man hat mir mein Kartoffelvolk gestohlen.“ Der Zwerg deutete auf den Pilzkorb. „Wirf diese Pilz-Dinger weg! Schnell! Du musst meine Leute retten.“
Der kleine Bär sah sich um. „Wen muss ich retten? Ich sehe niemanden.“
Der Zwerg stöhnte auf. „Die Kartoffeln!“ Es deutete auf den Acker, deren Erde frisch aufgebrochen war. „Hier im Boden liegen noch einige von meinem Volk. Sammle sie auf und lege sie in deinen Korb. Schnell. Wir müssen sie vor der Sonne schützen.“
Der kleine Bär starrte auf die kleinen erdfarbenen Knollen. „Meinst du diese hässlichen Dinger da?“, fragte er.
„Jaaa! Das sind meine Kartoffeln. Den ganzen Sommer habe ich sie beschützt und mit meinem Zauberstaub bestreut. Damit sie schneller wachsen.“
Der kleine Bär sah zweifelnd auf die Knollen. „Sie sind aber nicht besonders groß geworden.“
„Das ist doch das Problem!“, kreischte der Kartoffelzwerg. „Die Menschen haben alle großen, schön gewachsenen Kartoffeln entführt. Nur die Kartoffelkinder hier sind übrig geblieben. Wir müssen sie an einen sicheren, dunklen Platz bringen. Sonst bemalt die Sonne ihr braunes Kleid mit grüner Farbe.“
„Grün ist doch auch ganz nett.“ Dem kleinen Bären wurden diese seltsamen Sorgen des Kartoffelzwerges nun doch ein wenig zu viel.
„Nei-ei-ein“, rief der Zwerg. „Es macht sie giftig und ungenießbar und …“
„Schon gut“, brummte der kleine Bär. Er begann, die Knollen einzusammeln und in seinen Pilzkorb zu legen. Er sammelte und sammelte und als der Korb voll war, schmerzte sein Rücken.
„Beeil dich!“, drängte der Kartoffelzwerg. „Wir müssen einen dunklen Platz zum Überwintern finden. Aber schnell! Es liegen noch viele Kartoffelkinder auf dem Feld. Sie alle müssen wir noch einsammeln.“
Der kleine Bär stöhnte. „Heute?“, fragte er entsetzt.
„Klar“, meinte der Kartoffelzwerg und kletterte auf die Schulter des kleinen Bären. „Los, los!“
Der kleine Bär stöhnte noch lauter, dann trabte er los zur Bärenhöhle.
Pilze sammeln, dachte er, wäre weniger anstrengend gewesen. Und was würde Mama Bär zu diesen seltsamen Kartoffel-Dingern sagen?

© Elke Bräunling

 

Eine längere Fassung dieser Geschichte findest du hier: Der kleine Bär und der Kartoffelzwerg

 

Weitere Herbstgeschichten mit dem kleinen Bären:
Der kleine Bär und der sprechende Apfel (eine Apfel- und Erntegeschichte)
Der kleine Bär und der Herbstlaubberg (eine Igelgeschichte)
Der kleine Bär und der graue Traum (eine Nebelgeschichte)
Der kleine Bär und das Geisterlicht (eine Kürbislichtgeschichte)
Der kleine Bär und die Silberfäden (eine Altweibersommergeschichte)

28. August 2018 von Elke
Kategorien: Abenteuergeschichten, Freundschaftsgeschichten, Herbstgeschichten, Naturgeschichten, Traumgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

Der kleine Bär und der sprechende Apfel


Vorräte sammeln ist wichtig, sagt Mama Bär. Also ist der kleine Bär auf der Apfelbaumwiese unterwegs. Sammeln und Ernten aber macht müde und hungrig.

Viel war los ringsum an diesen letzten Sonnentagen des Jahres.
„Es ist Erntezeit“, sagte Mama Bär und schickte den kleinen Bären jeden Tag zum Pilze und Beeren sammeln.
„Ernten ist eine schwere Arbeit“, maulte der kleine Bär. „Das Suchen strengt an, das Bücken tut weh und die Beerensträucher haben gemeine Stacheln, die sich in meinem Pelz verfangen.“
„Ein Hungerbauch im Winter schmerzt mehr“, sagte Mama Bär. „Vorräte sammeln ist wichtig.“
Das stimmte und so grummelte der kleine Bär nur leise vor sich hin, wenn er sich in den dornigen Ranken der Brombeersträucher verfing und die Pfoten wehtaten.
Manchmal aber schlich er sich für ein Weilchen zu den Apfelbäumen auf der Menschenwiese.
Dort legte er sich ins Gras und blickte in das süß duftende Früchteparadies hinauf.
Viele leckere Äpfel, träumte er, würden hier vom Baum direkt in seine Erntekörbe fallen. Hm. Toll wäre das.
Manchmal wurde sein Traum ein bisschen wahr und ein reifer Apfel landete neben ihm auf den Boden.
So auch heute. Gerade als sich der kleine Bär unter dem Apfelbaum gemütlich in die Sonne gekuschelt hatte, fiel ein goldgelber Apfel mit roten Backen mitten auf seinen Bauch.
„Prima!“, rief der kleine Bär. „So gefällt mir die Erntezeit.“
Voller Appetit biss er in das rote Apfelbäckchen. „Lecker.“
„Aua!“, schimpfte es da auf einmal. „Wer stört meine Arbeit?“
Ein Wurm ringelte sich aus dem Fruchtfleisch und funkelte den kleinen Bären wütend an. „Ich bin beim Ernten und muss doch sehr bitten, meinen Apfel in Ruhe zu lassen.“
„Waaas?“ Der kleine Bär lachte laut los. „Du sitzt faul im Apfel, frisst dich satt und sagst, du arbeitest? Hahaha!“
„Kauen strengt an“, widersprach der Wurm. „Zudem leben wir stets in der Angst, Menschenzähne oder Bärenzähne könnten sich in das Fruchtfleisch unseres Apfels verbeißen und uns verletzen.“ Er seufzte. „Ein schweres Leben ist’s, das wir führen.“ Und weil der kleine Bär noch immer grinste, fuhr er ihn an. „Oder glaubst du mir etwa nicht?“
Nein, verstehen konnte der kleine Bär den Wurm nicht. Was gab es Schöneres als nur den Mund aufzureißen und zu essen, essen, essen?
Und weil ihm keine bessere Antwort einfiel, murmelte er nur: „Irgendwo ist doch immer – irgendwie – der Wurm drin.“
Dann machte er sich wieder an seine Arbeit. Beeren pflücken.

© Elke Bräunling

26. August 2018 von Elke
Kategorien: Gutenachtgeschichten, Herbstgeschichten, Naturgeschichten, Tiergeschichten, Traumgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , | 4 Kommentare

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