Nachbar Petersen und das Kürbisjahr

Wohin mit den vielen Kürbissen?

Einmal erlebte Nachbar Petersen in seinem Garten ein Kürbisjahr, das keiner in der Siedlung so schnell vergessen würde. Er hatte zuvor mit Kürbissen wenig Glück gehabt. Weil er sie aber liebte, beschloss er, alles für eine gute Ernte zu geben, und er setzte im Frühjahr an jeden freien Platz im Garten Kürbispflanzen. Bestimmt würde die eine oder andere nun doch gedeihen und ihm ein paar Früchte bescheren.
Und er hatte Glück. Alle Setzlinge gediehen prächtig. Sie wuchsen und wucherten und nahmen den anderen Pflanzen Platz, Licht und Nahrung. Überall im Garten sah man bald nichts anderes mehr als leuchtend gelbe, orangefarbene und grüne Kürbisfrüchte. Toll sah das aus, gerade zu Herbstbeginn, als die Sonne den Farben der Früchte ihren ganz besonderen Glanz verlieh.
Nachbar Petersen freute sich. Er war stolz auf seinen Erfolg. Dieses Kürbisjahr musste gefeiert werden.
„Die ersten Kürbisse sind reif“, sagte er zu Nachbarn und Bekannten in der Siedlung. „Darf ich euch einen schenken? Ihr könnt auch zwei oder drei haben.“
Die Leute freuten sich. Kürbisse mochte jeder gut leiden, und man nahm gerne einen – oder auch zwei oder drei – mit nach Hause.
In diesem Herbst gab es in der Siedlung viel mit Kürbis zu essen: Kürbissuppe und -gemüse, Kürbiskuchen und -brot, Kürbisscheiben vom Grill, Kürbismarmelade, Kürbisnochvielmehr. Es schmeckte fein und nach Sommer und Herbst zugleich. Bald aber hatten alle, die Nachbarn, die Freunde, die Siedlungsbewohner und vor allem die Familie Petersen die Nase von Kürbissen und Kürbisgerichten gestrichen voll.
Voll war es auch in Petersens Garten. Voll noch immer mit Kürbissen. Nur war da keiner mehr, der sie essen mochte. Es reichte.
Auch den Petersens reichte es.
„Was soll ich nur mit all den Kürbissen machen?“, jammerte Herr Petersen. „Keiner mag sie mehr leiden.“
Seine Frau verstand. Sie mochte auch keinen Kürbis mehr essen.
„Lass mich mal machen!“, sagte sie schließlich.
Und so kam es, dass eines Morgens im späten Oktober in der Siedlung vor jeder Haustür ein Kürbis lag und die Leute mit einem breiten, fröhlichen, filzstiftbunten Grinsgesicht anlächelte. Und was blieb da anderes übrig als mitzulächeln?

© Elke Bräunling

 

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Über Elke

Elke Bräunling, Autorin

15. Oktober 2017 von Elke
Kategorien: Geschichten für Demenzkranke, Geschichten für Kinder, Geschichten für Senioren, Herbstgeschichten, Kindergeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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