Hausaufgaben mit Oma Wolke

Kindergeschichte mit Erinnerungen – Hilfe bei den Hausaufgaben und Erinnerungen an Omas Schulzeit

Wie immer, wenn Pia keine große Lust hat, ihre Hausaufgaben zu machen, geht sie hinüber zu Oma und Opa Wolke, die Nachbarn zur Rechten. Das ist einfach, besonders, wenn es keiner zuhause bemerken soll. Pia muss nur aus ihrem Zimmerfenster auf den Balkon klettern. Von dort kann sie sich über die Treppe, die vom Balkon in den Garten führt, in den Garten und zur Nachbarterrasse schleichen und an der Küchentür der Wolkes klopfen.
Oma Wolke freut sich, wenn Pia auf einen Besuch bei ihr vorbeischaut. Ganz besonders freut sie sich, wenn Pia ihre Schulsachen mitbringt. In Büchern und Heften zu stöbern und Hausaufgaben zu machen, liebt Oma Wolke nämlich über alles. Und Pia liebt es über alles, wenn ihr Oma und Opa Wolke bei den Schularbeiten helfen. Außerdem gibt es immer einen Saft oder einen Kakao und einen leckeren Oma-Wolke-Kuchen.
So auch heute. Pia sitzt mit Oma Wolke und einem großen Vanillepuddingstreuselkuchenstück am Küchentisch.
„Bis morgen muss ich einen doofen Aufsatz schreiben“, sagt sie. „Hilfst du mir, Oma Wolke?“
„Hm?“ Oma Wolke hat nicht zugehört. Das passiert ihr immer, wenn sie ein Buch in der Hand hält. Und jetzt blättert sie in Pias Lesebuch und liest sich hier und da und dort fest. Es macht ihr mindestens genauso viel Spaß wie Kuchenbacken. Man sieht es ihr an.
„Es ist spannend, aus euren Schulbüchern die Welt kennen zu lernen“, murmelt sie nun und kann wieder einmal gar nicht mit dem Blättern und Gucken und Lesen aufhören. „Sie sind so ganz anders als die Bücher, die wir in der Schule hatten. Na ja, damals so kurz nach dem Krieg konnte man schließlich nichts erwarten, nicht wahr?“
„Wie meinst du das?“, fragt Pia.
Oma Wolke aber hört immer noch nicht richtig zu. Irgendwie hat sie sich gerade ganz in ihre eigene Welt zurückgezogen.
„Es war eben so. Damals“, murmelt sie nun. „Man nahm, was man kriegen konnte. Ach, was waren wir dankbar! Der Krieg war zu Ende und wir durften wieder in die Schule gehen und lernen.“
Pia zieht die Nase kraus. „In die Schule darf man nicht gehen“, sagt sie. „Man muss. Und dieser Krieg ist schon lange vorbei. Ich aber muss bis morgen diesen blöden Aufsatz schreiben und weiß nicht einmal, über welches Thema ich schreiben soll. Das nämlich sollen wir uns selbst aussuchen.“
Pia macht eine Pause. So viele Worte für einen Aufsatz. Sie blickt Oma Wolke an. „Hast du eine Idee?“
„Das ist doch ganz einfach“, antwortet die. „Schreibe einen Aufsatz über eine alte Frau, die mit dir am Küchentisch sitzt, von grauen Nachkriegserlebnissen erzählt und sich nichts mehr wünscht, als noch einmal in die Schule gehen zu dürfen. Mit neuen Schulbüchern.“
„Das klingt toll!“, sagt Pia. „Genau das schreibe ich jetzt so auf. Deine grauen Erlebnisse von damals, als du ein Kind warst, sind nämlich sehr spannend. Hättest du nicht gedacht, Oma Wolke, oder?“
Und insgeheim nimmt sie sich vor, Frau Starke, ihre Lehrerin, zu fragen, ob sie Oma Wolke nicht einmal in die Schule zum Deutschunterricht einladen könnte. Das, was die von damals zu erzählen weiß, sollten alle in der Klasse hören.

© Elke Bräunling

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bildquelle © mozlase_/pixabay

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