Als der kleine Rabe und der Spatz auch ein Fest feierten

Auch die Vögel im Garten freuen sich auf ein Fest

„Dieses Weihnachten will ich auch haben!“, sagte der kleine Rabe. Er saß mit seinem Freund, dem Spatzen, im kahlen Holunderbusch und spähte zu dem Licht hinüber, das aus dem Fenster der Menschen auf die Gartenwiese heraus leuchtete und einen warmen Schimmer verbreitete. „Es muss ein schönes Fest sein.“
Der Spatz nickte. „Man hört viel davon. Die Menschen sagen, es sei ein Fest! Sie sagen auch, dass man sich freuen muss“, antwortete er. Er spähte wieder zu dem Lichtschein hinüber, legte den Kopf schief und fragte: „Ein Fest! Was ist das? Haben wir das auch? Und was bedeutet dieses Freuen?“
So viele Fragen auf einmal! Der kleine Rabe schüttelte sich erst einmal die paar Schneeflöckchen, die in der Zwischenzeit vom Himmel gerieselt waren, vom Gefieder und überlegte.
„Ein Fest ist, wenn man sich freut“, antwortete er, nachdem er eine Weile darüber nachgedacht hatte.
„Und das Freuen kommt, wenn man ein Fest feiert?“, setzte der kleine Spatz die Gedanken fort.
„Genau.“ Der kleine Rabe war froh, eine so schlaue Antwort gefunden zu haben. „Die beiden gehören zusammen, das Fest und das Freuen.“
„Dann will ich mich nun auch freuen“, beschloss der kleine Spatz. „Und dann feiern wir ein Fest.“ Er stutzte, überlegte wieder. „Und wie, bitte, feiert man ein Fest? Weißt du das auch?“
„Du stellst Fragen!“, seufzte der kleine Rabe. „Ich bin doch kein Mensch! Aber da fällt mir ein: Lass uns nachsehen, wie die Menschen dieses Feiern feiern.“
„Gute Idee.“ Der kleine Spatz war einverstanden.
Sogleich flogen die beiden Freunde zum Haus der Menschen hinüber. Dort setzten sie sich leise, ganz leise auf das Brett des Fensters mit dem hellen Licht. Von dort konnten sie in das Zimmer schauen, in dem das Freuen und Feiern stattfand. Lange saßen sie dort. Es machte Spaß, den Menschen bei ihrem Fest zuzusehen. So sehr, dass sie nicht hörten, wie zwei Menschenkinder plötzlich im Garten auftauchten und feine Leckereien, Nüsse, Früchte und Samen auf die Fensterbank legten. Auch das Vogelhaus bedachten sie mit ihren Gaben und auch den alten Steintisch, der unter dem Holunderbusch stand.
„Guten Appetit, ihr Vögel!“, riefen sie. „Freut euch mit uns und feiert auch ein feines Fest! Frohe Weihnachten wünsche ich euch.“
Ach so war das? Es hatte also etwas mit Essen zu tun! Das verstanden sie gut. Der kleine Rabe und der kleine Spatz sahen sich an.
„Jetzt weiß ich, wie man ein Fest feiert“, sagte der kleine Rabe.
„Und ich weiß, wie man sich freut“, ergänzte der kleine Spatz.
Dann sagten sie nichts mehr, denn sie hatten zu tun.

© Elke Bräunling

Über Elke

Elke Bräunling, Autorin

18. Dezember 2017 von Elke
Kategorien: Geschichten für Demenzkranke, Geschichten für Kinder, Geschichten für Senioren, Kindergeschichten, Tiergeschichten, Weihnachtsgeschichten, Wintergeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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