Die kleine Waldmaus und die Überraschung im Winterwald

Adventsgeschichte für Kinder – Als die beiden Freunde bei der Tanne eine besondere Entdeckung machten

Eigentlich müssten die Waldtiere in ihren Schlafhöhlen liegen und schlafen, denn es war Winter. Eigentlich. So war es aber in diesem Winter nicht, denn der schien vergessen zu haben, dass er mit seinem Wetterjob an der Reihe war. Die Luft war mild und es war sonnig, manchmal regnete und stürmte es auch, aber das interessierte die kleine Waldmaus genauso wenig wie ihren Freund, den kleinen Igel.
„Es ist schön, dich auch im Winter zu sehen“, sagte der kleine Igel eines Tages. Wie so oft hatten sie sich bei Einbruch der Dämmerung an der Waldwiese getroffen und schlenderten nun auf der Suche nach etwas Essbarem durch den Wald.
Die kleine Waldmaus nickte. „So gefällt mir der Winter. Der lange tiefe Schlaf kann vielleicht ganz nett sein. Aber er ist langweilig.“
„Nett hört sich immer langweilig an“, ergänzte der kleine Igel. „Und langweilig ist doof.“
„Sehr doof sogar“, sagte die kleine Maus und sie erinnerte sich an den letzten Winter, in dem sie erst einmal gar nicht einschlafen konnte. Trotzdem musste sie in der Höhle bleiben, weil es draußen bitterkalt war. Das war wirklich sehr fade gewesen. „Ich liebe diesen Winter, der keiner sein möchte.“
„Und ich liebe es, Nahrung suchen zu können und nicht fasten zu müssen. Ach, wie tut das gut!“, fügte der kleine Igel hinzu. „Und gut tut auch, dass die Nächte nun so wunderherrlich lang sind. Wir haben viel mehr Zeit, im Dunkeln durch unseren Wald zu streifen.“
Er nickte. Diese dunklen Stunden gefielen ihm sehr. Wie alle Igel mochte er das Tageslicht und die hellen Strahlen der Sonne nämlich nicht leiden. Auch die kleine Waldmaus zog wie alle Mäuse lieber des Nachts los, um Nahrung zu suchen oder die Freunde auf der Waldwiese zu treffen.
„Es soll alles so bleiben, wie es gerade nun ist“, stimmte sie dem Freund zu. „Wenn es länger dunkel ist, können wir auch länger zusammen sein. Ist das nicht fein?“
Der kleine Igel nickte. „Eigentlich ist der Winter gar nicht so übel.“
Dann marschierten sie weiter. Den großen weißen Stein am Rande der Waldwiese, wo die Menschenwiese mit den Obstbäumen und den Menschengärten begann, wollten sie besuchen. Dort, so hatten andere Waldtiere erzählt, würden sie eine sonderbare Überraschung vorfinden.
Sonderbare Überraschungen liebten beide sehr und so rätselten sie auf ihrem Weg, ob diese Überraschung etwas Leckeres zum Essen sein könnte.
„Das wäre in der Tat eine gute Sache“, sagte der kleine Igel. „Es fällt im Winter doch etwas schwerer, genug Nahrung zu finden.“
Die kleine Waldmaus nickte. Essen war immer gut und ihr Bauch knurrte gerade auch wieder.
Sie kamen zum Waldrand und was sie da sahen, ließ sie all ihren Hunger erst einmal vergessen. Ein Wunderbaum stand dort, wo sonst immer die große Tanne ihre Heimat hatte. Es sah aus, als seien viele kleine Sternchen vom Himmel gefallen, die den Wunderbaum schmückten. Wie kleine Lichter sahen sie aus. Sie hatten sich in die Zweige der Tanne gesetzt und machten den Waldrand und die Wiese wunderhell. Schön war das. Wunderfein schön. Und unter der Tanne lagen viele, sehr so viele köstlich feine Leckereien für die Waldtiere zum Sattessen.
„Schööön!“, rief die kleine Waldmaus und der kleine Igel brummte:
„Na, wenn das mal keine Überraschung ist!“
Dann gingen sie zu der Tanne hinüber. Ihre Mägen knurrten nämlich, doch war das ein Wunder?

© Elke Bräunling


„Wunderbaum“, Bildquelle © _Alicja_/pixabay