Der Besuch des kleinen Regenbogensterns

Gutenachtgeschichte im Advent – Ein sehr kleiner Stern stellt sich vor

Es war eine besonders dunkle Nacht in den Tagen vor Advent. Der Himmel war klar und von einer tiefen, blauschwarzen Farbe, wie man es nur selten sah. Und in dieses Blauschwarz malten die Sterne funkelnde Bilder. Ein bisschen war es, als führten sie ein Theaterstück auf. Aber was war das? Schlich sich da etwa ein kleines Sternchen aus seinem Bild?
Das Kind, das am Fenster saß, riss die Augen auf. Aufgeregt hielt es die Luft an und wagte nicht, einen Laut von sich zu geben. Das Sternchen kam näher und näher und das Zimmer war auf einmal in ein helles goldenes Licht getaucht.
Ein Traum! Das konnte nur ein Traum sein, aus dem es gleich erwachen würde. Schnell schloss das Kind die Augen. Wenn es sie wieder öffnete, würde dieses Helle, das sein Zimmer auf einmal ausfüllte, verschwunden sein. Das war mit Träumen so. Es schluckte.
Nach einer Weile blinzelte es. Vorsichtig, nur einen winzigen Spalt. Das Zimmer war noch immer in dieses goldene Licht getaucht.
„Was machst du hier?“, flüsterte das Kind.
„Was machst du hier?“, antwortete das Sternchen. „Wie kommst du Menschenkind in den Himmel? Ich habe dich gerade noch an deinem Fenster gesehen und ein wenig von dir geträumt. Dass ich dich gerne besuchen möchte, habe ich mir ausgemalt. Und nun bist du zu mir herauf gekommen?“
„Falsch! Du bist gekommen. Siehst du es nicht?“ Aufgeregt klang das Kind nun.
Das Sternchen schwieg und blickte sich um.
„Vielleicht stimmt es ja!“, flüsterte es.
„Aber ja! Sieh doch, das ist mein Bett. Und gleich daneben steht meine Spielkiste“, erklärte das Kind eifrig. „Ich bin hier zuhause und du bist mein Besuch, und darüber freue ich mich.“
„Ich freue mich auch über deinen, nein, meinen Besuch, und möchte mich vorstellen: Also, ich bin „Stella Parvula“ und das heißt kleiner, nein, sehr kleiner Stern. Ja, ich heiße ‚Kleiner Stern‘. Und du? Bist du auch ein Parvulus oder eine Parvula, ein sehr kleines Kind?“
„Ich bin nicht sehr klein“, sagte das Kind schnell. „Nur ein bisschen bin ich das noch, lieber sehr kleiner Stern! Siehst du?“
Es sprang aus dem Bett und baute sich groß vor dem Fenster auf.
Der sehr kleine Stern lachte und das klang so wunderbar, wie alles wunderbar war in dieser Nacht.
„Stimmt“, sagte er, „du bist nur ein bisschen klein. Wie ist denn dein Name, bisschen kleines Kind?“
„Ich heiße Sari!“, sagte das Kind. „Das bedeutet …“ Das Kind stutzte für einen Moment, dann fuhr es mit heller Stimme fort: „Das bedeutet ‚Leuchtender Stern‘. Ist das nicht wunderbar?“
Da ging ein Strahlen über den sehr kleinen Stern. Er leuchtete und schimmerte in allen Farben und sah nun aus wie ein kleiner, nein, ein sehr kleiner Regenbogenstern.
„Toll!“ Sari klatschte vor Freude in die Hände. „Hallo kleiner Regenbogenstern! Wie schön du aussiehst!“
Da wanderten all die glimmernden Regenbogenfarben von dem sehr kleinen Stern zu Sari hinüber und die träumte noch lange diesen wunderfeinen Sternentraum.
Als Mama am nächsten Morgen zum Wecken kam, wunderte sie sich über das Strahlen in Saris Gesicht.
„Du musst ja etwas besonders Schönes geträumt haben, mein Schatz!“, sagte sie.
„Mich hat Stella Parvula besucht“, flüsterte Sari und schlang die Arme um Mamas Hals. „Etwas Schöneres habe ich noch nie erlebt!“
Die Mutter wusste nicht, wer Stella Parvula war, sie fragte auch nicht nach. Sie drückte Sari an sich und flüsterte ihr ins Ohr:
„Das Schönste, das ich jemals erlebt habe war die Nacht, als du zu mir gekommen bist, mein leuchtender Stern!“

© Elke Bräunling

Sternentraum, Bildquelle (c) CDRC21/pixabay

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