Die Sache mit dem Drachenzahn

Mit Cousin Edelbert als Feriengast hat man es nicht leicht

Cousin Edelbert kam zu Besuch, und Lena und ihre Freunde Pit und Tim stöhnten. Edelbert war nämlich ein großer Angeber.
„Ih“, stöhnte Lena. „Der Ekelbert kommt!“
„Dieser Besserwisser hält uns ja alle für Deppen!“, maulte Pit, und Tim knurrte:
„Bestimmt nervt er wieder mit seinem Dinokram!“
Tim hatte recht. Gleich nach seiner Ankunft fing Edelbert mit seinen Sauriergeschichten an. Er redete und redete …
„Wie ein richtiger Professor kennst du dich aus”, sagte Pit auf einmal.
„Ja, toll“, bestätigte Lena. „Du wirst bestimmt noch berühmt sein. Dann gibst du uns allein Autogramm.“
Edelbert nickte gnädig. „Das überlege ich mir noch.“
„Ich verrate dir auch ein Geheimnis.“ Lena nahm Edelbert zur Seite und flüsterte: „Tim hat einen echten Drachenzahn!”
Edelbert wurde blass. „Ei-ei-einen Drachenzahn? Wirklich?“
Lena nickte. „Sein Vater hat ihn gefunden. In der alten Tongrube.”
Edelbert war starr vor Staunen. „Gab es dort Dinos?”
„Ganz viele“, meinte Lena ernsthaft. „Das weiß bloß keiner!“
Pit konnte sich nur schwer das Lachen verkneifen. „Tims Vater lügt nicht“, bestätigte er. „Immerhin ist er der Bürgermeister.“
Das schien Edelbert zu überzeugen. „D-darf ich den Zahn mal sehen?“, fragte er auf einmal ganz bescheiden.
„Klar”, meinte Tim großzügig. „Er liegt im Nachttisch.”
Edelbert heulte auf. „Waaas? In einem Nachttisch? Bitte, ich muss ihn sehen!”
BITTE hatte Edelbert noch nie gesagt.
Mit vorsichtiger Geste überreichte Tim ihm ein Schmuckkästchen. „Du darfst es aber niemandem verraten“, flüsterte er.
„Versprochen.“ Ungeduldig öffnete Edelbert das Kästchen und nahm den ‚Drachenzahn‘, der nichts anderes als ein Stück Horn von einem Hirschgeweih war, in die Hand. Er streichelte ihn, drehte ihn hin und her, ja, er roch sogar daran. Nach einem andächtigen Schweigen sagte er leise: „Was für ein kostbares Stück!“
Hoho! Lena, Pit und Tim hielten sich die Bäuche vor Lachen. Der kluge ‚Saurierprofessor‘ aber war viel zu sehr mit Grübeln beschäftigt, um dies zu bemerken, und am nächsten Morgen wanderte er mit Spaten und Hacke zur Tongrube.
„Was tut Edelbert?“, fragte Mama.
„Er sucht“, antwortete Lena mit einem Kichern.
„Und was sucht er?”, erkundigte sich Papa. „Raus mit Sprache: Was habt ihr wieder mit ihm angestellt?”
„Och, er gräbt bloß ein bisschen in der Tongrube“, meinte Lena.
„Und wonach gräbt er dort?”
„Nach Saurierknochen.“
Mama stöhnte.
„Er will doch ein Saurierprofessor werden!“, verteidigte sich Lena. „Und wir helfen ihm etwas dabei.“
Da musste Mama grinsen. „Na ja“, meinte sie, „irgendwann wird er die Nase vom Graben voll haben.“
Edelbert aber gab nicht so schnell auf. Tagelang schuftete er, und wenn ihm nicht Nachbar Locke die Wahrheit erzählt hätte, hätte er die ganzen Ferien im Dreck herum gewühlt. Zuerst war Edelbert dann so sauer, dass Lena, Pit und Tim dachten, er würde ihnen die Sache mit dem Drachenzahn nie verzeihen. Am nächsten Tag aber saß er wieder so richtig ekelbert-eklig da, erzählte vom turbo-grusinellen Motorantrieb und erklärte stundenlang, wie ein hypersubsibilisiertes ‚Was-auch-immer!‘ funktionierte. Ob er ihnen damit einen Bären aufgebunden hatte oder ob es diesen ganzen Kram tatsächlich gab, wissen die Drei bis heute nicht. Na, auch egal.

© Elke Bräunling

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

08. Juli 2016 von Elke
Kategorien: Abenteuergeschichten, Familiengeschichten, Freundschaftsgeschichten, Frühlingsgeschichten, Herbstgeschichten, Sommergeschichten, Spaßgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , | 2 Kommentare

Kommentare (2)

  1. Also wirklich… Ekelbert… 😉

  2. gell??? 😉

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